Lebensrettung aus der Ferne

4. August 2010 – 10:24

Telemedizin ist dank moderner Technologien immer mehr im Kommen, noch merkt man als Normalbürger wenig davon und profitiert auch kaum davon. Abgesehen von der Online-Reservierung eines Platzes im Wartezimmer muss man sich dann doch noch aus dem Haus bewegen und auch Routinekontrollen beim Arzt durchführen lassen – sinnvoll ist das allemal.
Mit dem Projekt Partnership for the Hearth hat die Charité Berlin, Klinik für Kardiologie und Angiologie, in Zusammenarbeit mit dem Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart eine Studie mit derzeit 710 Patienten aus der Taufe gehoben.
Die Studie hat die telemedizinische Betreuung von Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz zur Grundlage. Dabei werden mit speziell angepassten Geräten zur Messung des Blutdrucks, Gewichtsbestimmung und EKG täglich durch den Patienten Messwerte erhoben, welche dann automatisch zu der Studienleitung übermittelt und ausgewertet werden. Hört sich alles total spannend an, der Patient spart sich so immerhin den Gang zum Arzt und durch die tägliche Kontrolle können Veränderungen schnell erkannt und behandelt werden. Einer der beiden Studienleiter, Dr. Friedrich Köhler, hat ein gutes Beispiel zur Hand, welches die Möglichkeiten einer solchen Gesundheitsüberwachung deutlich macht:

Erst kürzlich verriet die Herzstromaufzeichnung eines 47-Jährigen, dass seine Herzkammern flimmerten und das Blut nicht mehr in rhythmischen Pulsen durch den Körper gepumpt wurde. Köhler deutet auf eine Linie, die unruhig über den Monitor zittert. “Das ist kurz vor dem Tod. Das geht keine zehn Minuten mehr”, habe er seinerzeit gewarnt. Die Mitarbeiter riefen den Mann sofort an. Der meinte, es ginge ihm zwar nicht so toll, dies sei aber nicht weiter schlimm. Der Kardiologe ließ sich nicht beirren und schickte sofort einen Notarzt. Der Berliner wurde gerettet. “Wir sind 24 Stunden da, und wir handeln sofort”, versichert Köhler.

Dieses Zitat habe ich übrigens aus einem sehr lesenswerten Artikel aus Technology Review. Dort gibt es auch allerhand Beispiele, wie Telemedizin funktioniert, welche Ziele verfolgt werden und wie sich das Ganze weiterentwickeln kann.
Im Moment steht die Entwicklung noch am Anfang, aber die Aussichten sind aufgrund der demografisch fortschreitenden Entwicklung zu immer älteren Menschen hin sehr gut, schließlich lohnt sich die Forschung auch in finanzieller Hinsicht, denn wenn weniger Menschen wegen Routineuntersuchungen zum Arzt müssen, wird das Krankenkassen-System gut entlastet, mit 2% Kostenanteil für diese Untersuchungen kommt da eine Stange Geld zusammen, welche zumindest teilweise durch die Telemedizin eingespart werden kann.
Mehr Informationen zum Studien-Projekt “Partnership for the Heart” gibts auch auf der Projektseite.

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